Kapitel Schule – beendet

27. Juli 2013 at 09:14 Hinterlasse einen Kommentar

Um einen neuen Lebensabschnitt beginnen zu können, müssen zuerst die vorigen Kapitel abgeschlossen werden. Nur noch ein halber Monat wird vergehen, bis meine Ausbildung anfängt. Dies bedeutet gleichzeitig, dass ich das heimische Nest verlassen werde und sich unweigerlich vieles verändern wird. Doch nun widme ich mich einem abgeschlossenen Kapitel: Meiner Schulzeit und dem Abitur.
Mittlerweile ist der Abschluss einen Monat lang her und ich habe aus einem guten Grund gewartet, diesen Beitrag zu schreiben. Ich wollte wissen, ob sich meine Meinung, über diese drei Jahre noch verändern wird. Aber nein, sie hat sich gefestigt und ich bleibe bei meiner Kernaussage: Es waren drei Jahre, die viel Kraft gekostet haben.
Erwartet keine spannende Geschichte. Ich muss nur für mich dieses Ende finden und meine Gedanken niederschreiben, damit sie mich nicht weiter verfolgen.

Es fing schon mit der Überwindung an. Ich war felsenfest davon überzeugt, dass ich das Abitur ohnehin nicht schaffen würde und das es sich um eine Zeitverschwendung handeln würde, die ich mir nicht mehr erlauben durfte. Aber die andere Alternative war eine Ausbildung. Der Vertrag lag schon daheim und musste nur noch unterschrieben werden, aber mein Körper sendete mir jegliches Alarmsignal, zu dem er in der Lage war. Ich entschied mich dagegen und versuchte mich an einer Schule zu bewerben – erfolgreich.

Die ersten Wochen waren eine Qual. Immer wieder habe ich mich gefragt, wozu ich das hier eigentlich tue. Die Menschen, die in meiner Klasse waren, hielten sich recht fern von mir. Ich wusste wirklich nicht, was ich getan habe, denn insbesondere anfänglich habe ich versucht, mit jedem zu recht zu kommen. Ein Jahr später stellte sich heraus, dass sie mit der Schülerin nicht zurecht kamen, die sich an mich gebunden hatte. Ja, sie war anstrengend, irgendwie anders und ich war ihr keine Freundin, doch für die Anderen sah es so aus. Diese Person verließ jedoch schon bald die Klasse und somit stand ich alleine da. So schnell wollte ich nicht aufgeben und es gelang mir, mich in eine Gruppe ein zu gliedern. Dies lief auch eine Weile sehr gut, wir haben viel unternommen und ich wurde ein Teil der Klasse. Doch auch diese Periode war vergänglich. Mein Nebenjob, den ich im ersten Jahr ausführte, war mir zu hektisch geworden und ich habe mich für einen anderen Job entschieden, der aber dazu führte, dass ich Freitagabend sowie die Samstage immer arbeiten musste und somit weniger Zeit hatte. Ich konnte mich um diese Schulclique nicht mehr ernsthaft kümmern, denn die höhere Priorität besaßen meine Freunde, die nicht zur Schule gehörten.
Dieser Umstand führte dazu, dass ich nur noch sehr selten gefragt wurde, ob ich etwas Unternehmen möchte. Das konnte ich auch verstehen und somit habe ich mich damit arrangiert. Ich hätte mich andernfalls natürlich gegen die Arbeit entscheiden können, um mehr Zeit zu haben, aber dann hätte ich mehr Zeit gehabt, jedoch kein Geld. Das wäre wirklich kein gutes Geschäft geworden.

Dann endlich sollte eine glückliche Fügung folgen. Das ruhigste, unauffälligste Mädchen der Klasse fand ihren Weg zu mir und wir wurden ein traumhaftes Team. Wir haben uns wunderbar ergänzt, wir hatten unseren Spaß und überhaupt … zusammen waren wir unschlagbar. Es war uns möglich, die Projektwoche zu zweit durchzuführen und eine Bestleistung zu erzielen. Ja, darauf können wir noch immer stolz sein, auch wenn es sehr viel Arbeit gekostet hat. Wann immer es uns möglich war, haben wir einander geholfen und somit war es auch gar nicht mehr tragisch, dass die Klasse für mich immer unerreichbarer wurde. Allmählich war ich auch nicht mehr interessiert, denn sie durchlebten alle in der höchsten Form ihre Pubertät. Es machte sich wirklich bemerkbar, dass ich Älter war, als diese Kinder, die glaubten, sie seien etwas ganz Besonderes. Zu diesem Zeitpunkt störte es mich noch gar nicht so sehr, schließlich hatte ich meine Sani. Vermutlich hört sich das hier alles so an, als wäre ich ein introvertierter Mensch, der keine Freunde hat. Die Problematik war einfach dieser Altersunterschied. Ich war mit dem Kopf sehr viel weiter und sagte wohl Dinge, die sie sich zu Hause schon von ihren Eltern anhören mussten. Das stört natürlich. Und viele dieser kindlichen Fantasien konnte ich auch wirklich nicht begreifen.  Außerdem war es mir zu wider, mir an den Wochenenden immer wieder eine neue Bettbekanntschaft zu suchen. Wobei ich ernsthaft bezweifle, dass die erzählten Geschichten wirklich der Realität entsprachen. Es waren eher groteske Märchen.

Durch mein Engagement in der Schülervertretung, durfte ich mit nach Dänemark, als wir unsere Partnerschule besuchen konnten. Dadurch ergab sich, dass ich viele Kontakte mit der Klasse knüpfen konnte, die über mir war. Es war schon hart, zu wissen, dass es eine Klasse gab, in die ich wunderbar gepasst hätte. Meine Pausen verbrachte ich ausschließlich mit dieser Klasse und es war eine emotionale Katastrophe, als diese Menschen die Schule verlassen haben. Insbesondere da Sani zeitgleich aus der Klasse entrissen wurde, da ihr „empfohlen“ wurde, zu wiederholen. Ja, das war der Sechser im Lotto. Meine Kumpanen waren fort, Sani nicht mehr an meiner Seite. Großartig. Doch auch in den dunkelsten Situationen, da gibt es immer ein kleines Lichtlein.

Das letzte Jahr war ein purer Überlebenskampf. Und ich hatte eine Mitstreiterin, die ich anfänglich furchtbar anstrengend, launisch und schrecklich fand. Aber ich habe nicht bemerkt, dass sie einfach ihre Meinung mitteilt – ja, sogar eine Meinung, die ich nachvollziehen konnte. Dieses Mädchen war nur furchtbar unbeliebt. Ich war es bisher nicht gewesen, ich war nur eben nie wirklich „anwesend“ und bewegte mich neben der Klasse her. Natürlich gab es auch Tage, an denen alles fabelhaft lief. Insbesondere die Lernwochen, vor dem Abitur, waren sehr schön. Aber in der Not, da helfen sich eben alle und für das Lernen war ich sicher keine falsche Wahl. Mir hat es aber auch sehr geholfen, von daher wird das wohl ein Geben und Nehmen gewesen sein.

Nun gut, kommen wir zum letztem Jahr. Oft haben Lena und ich uns den Arsch gerettet. Ich bin ihr noch immer für die Zusammenarbeit für die Deutschaufgabe dankbar. Ohne sie, hätte ich bestimmt keine 14 Punkte dafür bekommen. Lernmaterial haben wir uns immer geteilt und wenn Fragen auftauchten, diskutierten wir so lange darüber, bis wir eine plausible Lösung hatten. So war es zwischen uns. Und zwischen uns und den Anderen entstand ein Kriegsgebiet. Aus diversen Gründen, gehörte Lena ja zur Abschussliste und dies färbte sich dann wieder auf mich ab. Erinnerte mich sehr an meine ersten Wochen, aber mittlerweile war es mir egal. So oft habe ich versucht, mich anzupassen, es ihnen recht zu machen und meinen Mund zu halten. Aber wozu? Es brachte ohnehin nichts, weswegen also alles still in sich hinein fressen?
Es ergab sich ein Wunder, dass ich immerhin noch zwei weitere Kumpanen gewann. Die auch oft dafür sorgten, dass ich meine Meinung einfach für mich behielt, damit es nicht so sehr ausartet. Das war auch gut so. Insbesondere in der Planungsphase für den Abiball wurde gerne der Frust an mir und Lena ausgelassen. Was auch immer wir sagten, es war falsch. Selbst wenn es positiv war, es wurde als Kritik angesehen. Amüsant ist es, wenn Schüler einen gar anschreien, während der Lehrer da sitzt und eben dieser Lehrer dir recht gibt. Dazu erwähnt … es war nicht nur dieser eine Lehrer. Die ganze Lehrerschaft konnte mich verstehen und bat mich darum, es einfach zu ertragen, denn es würde niemanden helfen, noch weiter zu diskutieren. Es stimmte ja. Was brachte es mir, auf mein Recht zu beharren, wenn zwanzig Kinder sich dagegen sträubten?
Trotzdem musste ich ab und an etwas dazu sagen. Sonst würden wir heute noch diskutieren.  Bei uns herrschte eine suspekte Form der Demokratie. Jeder sollte mit den Entscheidungen glücklich werden. Wurde eine Entscheidung getroffen, meckerte doch wieder jemand rum und alles wurde über Bord geschmissen. Bis eine gewisse Gruppe ihren Willen durchgesetzt hatte. Aber scheinbar konnten die Anderen das nicht merken. Vielleicht wollten sie es nicht sehen, ich weiß es wirklich nicht.

Ich bin froh, dass ich mit diesem scheinheiligen Menschenhaufen nichts mehr zu tun habe. Im Nachhinein kamen immer wieder welche zu mir und gaben mir recht. Auch in den ersten Wochen, nach der Schulzeit, gaben einige zu, dass ich ja doch recht gehabt hätte, aber sie wollten nichts sagen, denn es hätte nichts gebracht. Doch, es hätte etwas gebracht. Denn dann wäre die Schulzeit für mich nicht so unerträglich gewesen. Dann hätte ich mich nicht immerzu fragen müssen, warum denn alles falsch ist, was ich mache.
Sie lächeln dich immer wieder an und hinterrücks fangen sie an zu lästern. Wann immer ich etwas mehr mit ihnen zu tun hatte,sprachen sie mit böser Zunge über andere. Insbesondere über ihre geliebten Cliquenmitglieder. Nein, solche Menschen brauche ich nicht im Freundeskreis, dennoch wäre es angenehmer gewesen, wenn es nicht so sehr ausgeartet wäre.
Am Meisten ärgere ich mich aber darüber, dass ich wirklich viel geholfen habe. Insbesondere vor dem Abitur. Ich habe extra Lernzettel erstellt, habe viele Telefonate geführt, Fragen über Fragen beantwortet und hat es mir irgendjemand gedankt? Nein. Na gut, mir hat es natürlich selbst viel gebracht, denn durch das ständige Wiederholen saß der Stoff ziemlich gut. Aber sonst hat sich niemand diese Mühe gemacht. Aber auch daraus kann gelernt werden. Ich glaube nur nicht, dass ich es tun werde, denn so bin ich eben. Die temperamentvolle Dame, die sich eine eigene Meinung bildet und sich auch traut, diese zu äußern. Ein Mensch, der nicht im Mittelpunkt des Geschehens stehen muss, aber dennoch von allen akzeptiert werden möchte. Wenn ich mir letzteres abgewöhnen würde, wäre ich wohl ein modernes Monster …

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